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Bürgermeister und Bürgerinitiativen erhöhen Druck auf die Bahn

Veröffentlicht am 12. September 2017 von botingo-redakteur-9


Nach harmonischen Gesprächen im Rahmen der "Pro Brachttaler Dialoge" sprechen sich die anwesenden Bürgermeister oder deren Vertreter, sowie die Bürgerinitiativen, mit überwältigender Mehrheit für die Aufnahme einer zusätzlichen Variante VIII (Ausbaustrecke Kinzigtal) in den Prüfprozess der Bahn zur Aus-/Neubaustrecke Hanau-Würzburg/Fulda aus.

Die Bahn sucht zurzeit nach einer neuen Streckenführung zum Aus- oder Neubau einer Trasse zwischen Gelnhausen und Fulda. Laut DB Netz AG soll insbesondere der bestehende Kapazitätsengpass zwischen Hanau und Fulda anhand zweier neuer Gleise aufgelöst werden. Über diese neuen Gleise erzürnen sich viele Bürger, da die Planung der Bahn für die Trasse zwischen Gelnhausen und Fulda zum großen Teil Streckenführungen vorsieht, die durch bisher verkehrsarme Gegenden verlaufen, in denen Menschen Ruhe und Erholung suchen. Seit etwa einem Jahr sind jedoch Pläne bekannt, die es möglich erscheinen lassen, die bestehende Strecke im Kinzigtal so auszubauen, dass die neuen Gleise gleichzeitig zu höherem Lärmschutz für viele Anwohner der alten Strecke, einer Bündelung der Verkehrswege oder sogar zum kompletten Wegfall des Lärms durch Tunnellösungen führen könnten. Auf der Alt-Strecke würden ohne ICEs zukünftig wesentlich mehr Güterzüge fahren (Quelle: Zugzahlenprognose 2025). Diese neuen Pläne wurden, so die Meinung von Bürgerinitiativen und diversen Politikern, bislang von der Bahn nicht hinreichend in den Planungsprozess aufgenommen. Manch einer spricht sogar von einer Verweigerungshaltung, die unverständlich und nicht hinnehmbar sei. So regt sich seit etwa einem halben Jahr vielerorts Widerstand, der nun zu einem beispiellosen Treffen führte.

Auf Einladung der Bürgerinitiative Pro BrachtTal saßen am vergangenen Freitag in Wächtersbach fast alle Bürgermeister und Vorsitzenden der Bürgerinitiativen zwischen Gelnhausen und Schlüchtern in großer Runde zusammen. Bürgermeister oder BI-Vorsitzende, die es zeitlich nicht einrichten konnten, schickten Vertreter, sodass das nördliche Kinzigtal sowie betroffene Teile des Spessarts fast vollständig vertreten war. Sie berieten über den Trassenfindungsprozess sowie das so genannte Dialogforum der Bahn und über die Alternativen zu den bisher im Planungsprozess befindlichen Routen. Dabei ließen sie sich von Fachleuten über mögliche Streckendetails der zusätzlichen "Trasse VIII" (=Ausbaustrecke Kinzigtal) informieren. Diese hat, das wurde deutlich, einen anderen Verlauf als eine mögliche Variante V (mit Untervarianten), wie die Bahn sie in ihren bisherigen Planungen vorsieht.

Sehr schnell waren sich die Anwesenden einig, dass die alternativen Routen, die von unabhängigen Seiten vorliegen, im bisherigen Planungsprozess keine gleichwertige Beachtung finden. Die überwiegende Meinung: Um überhaupt beurteilen zu können, wie sich diese Routen im Vergleich zu den bisher von der Bahn favorisierten Trassen darstellen und ob diese überhaupt durchführbar sind, muss die Bahn diese gleichwertig in den Planungsprozess aufnehmen. Entsprechend formulierten die Teilnehmer zum Abschluss der Gespräche eine Erklärung, die mit überwältigender Mehrheit angenommen wurde.

Stellvertretend für die Runde äußerte sich anschließend Pro BrachtTal-Vorsitzender Volker Lemcke: "Das Thema der Gespräche war nicht, sich für eine bestimmte Trasse auszusprechen. Heute ging es darum, von unabhängiger Seite vorliegende Vorschläge für das Jahrhundertprojekt gleichwertig in Breite und Tiefe in den Planungsprozess aufzunehmen. Anschließend muss die Bahn detailliert und für die betroffenen Bürgerinnen, Bürger und Gemeinden transparent nachvollziehbar machen, welche Streckenführung insgesamt die wenigsten Menschen belastet. Dabei kommt es nicht darauf an, was die Bahn als transparent empfindet, sondern ob die Bürger dies nachvollziehen können. Nur so kann im Suchraum auch für die Zukunft ein friedliches Miteinander gewährleistet werden, bei dem sich alle Beteiligten noch offen in die Augen sehen können. Der Anspruch, gleichzeitig auch die Natur bestmöglich zu schützen, ist dabei nicht Widerspruch sondern gleichwertige Forderung!"

Warum die Gesprächsrunde nicht mit Teilnehmern aus dem Raum nördlich von Schlüchtern besetzt war, erklärt Lemcke so: "Die Bahn hat nordwestlich von Schlüchtern einen Knotenpunkt definiert, an dem mehrere Trassenvorschläge zusammenlaufen und sich in den Norden des Suchraums hinein wieder verzweigen. Eine ausgebaute Bestandsstrecke würde genau an diesen so genannten Gelenkpunkt anschließen. Somit ist eine gesonderte Betrachtung des nördlichen Suchraumes und damit auch durch den Landkreis Fulda mit seinen Kommunen und den ebenfalls sehr aktiven Bürgerinitiativen möglich. Die Alternativtrassen sind bis nach Fulda hinein durchgeplant, insofern ist die Gesamt-Betrachtung unserer Meinung nach auch im nördlichen Gebiet von Relevanz."

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